nächste SeiteSeite 5Seite 4Seite 3Seite 2Seite 1

Namibwüste

10.07.07: (Tirasberge -) Sesrim

Namibwüste

Nachdem wir die Sossusvlei Lodge mit einem Notrad am Auto und einem defekten Reifen im Gepäck nach Sonnenuntergang erreicht hatten, wurden wir dort sehr freundlich mit einem Glas Sekt an der Rezeption empfangen. Die Koffer wurden zu unserem Bungalow in der 1. Reihe gebracht. Der Eingangs- und Sanitärbereich der Häuser ist gemauert, ebenso die untere Hälfte des Schlaf-/Wohnraumes. Die obere Hälfte bestand jedoch aus einem Zeltdach. Im Open-Air- Restaurant (mit Heizstrahlern) erhielten wir einen Tisch direkt an der Terrassenbrüstung mit Blick auf ein beleuchtetes Wasserloch an dem sich Springböcke labten. Ein Schakal kam sogar bis an die Brüstung. Das Essen wurde an 3 Grillplätzen zubereitet: 1 Fleischgrill, 1 Grill für Fisch, Geflügel und Krokodil sowie 1 Grill für diverse Gemüse. War es der Frust mit dem Reifen? War es die Wasserlochatmosphäre? Oder nur die Lust am leckeren Essen? Wir haben uns auf jeden Fall beide regelrecht den Pansen vollgeschlagen.

11.07.07: Sesrim

Sossusvlei Lodge Sossusvlei Lodge

Gott sei Dank hatten wir 3 Nächte in der Sossusvlei Lodge gebucht, so konnten wir die Fahrt in die Dünen um einen Tag verschieben und uns am "Ruhetag" um den defekten Reifen kümmern. Wir schliefen sehr lange und waren die letzten beim Frühstück. Danach war es aber mit der "Ruhe" vorbei.

Ein Reifen 235/60 R16 100H war weder in Sesrim noch in Solitär vorrätig, wie Telefongespräche der Lodge ergaben. Daraufhin rief ich bei AVIS in Swakopmund an. Der Reifen sollte 2.500 NAD plus Bringen käme das auf 5.100 NAD. Auf mein Entsetzen hin wollte man in Windhoek anzurufen, ob die es billiger machen würden, und versprach zurückzurufen. Kein Rückruf kam jedoch nicht. Daraufhin wurde die Lodge aktiv. Es wurden alle umliegenden Lodges angerufen, ob sie so einen Reifen hätten. Leider nein! Der Hauspilot war gerade in Windhoek und könne dort sicher einen Reifen kaufen und mitbringen. Doch ein Anruf ergab, dass er gerade bereits wieder abgeflogen war. Als nächstes wurde Sense of Africa angerufen, ob ein Kunde von denen am nächsten Tag per Auto oder Flugzeug aus Windhoek oder Swakopmund nach Sesrim käme. Leider auch nein! Der Chefmechaniker der Lodge wollte am nächsten Tag privat nach Mariental. Also wurden alle Werkstätten in Mariental angerufen, doch keine hatte einen solchen Reifen. Daraufhin hat der Mechaniker das Notrad von vorne nach hinten gewechselt, denn ein Notradschaden sei sehr gefährlich und vorne eventuell tödlich. Kaum war das erledigt, kam ein Anruf aus Mariental, es könne ein Reifen aus Windhoek morgen in Mariental sein - Kosten 2.300 NAD - worauf der Reifen bestellt wurde. Sicherheitshalber habe ich dann bei AVIS in Swakopmund angerufen, dass sich das Problem erledigt hätte. Doch ich erhielt die Auskunft, dass bereits ein Fahrer mit einem Reifen unterwegs sei. Er wäre gegen sieben in Sesrim und nicht mehr rückrufbar. Als ich wie eine Rakete hochging, beruhigte ich man mich in so weit, dass ich nur die Kosten für den Reifen zu tragen hätte, die Lieferung sei kostenlos. Gott sei Dank konnte die Lodge dann auch noch die Bestellung in Mariental rückgängig machen.

Quadbike

Inzwischen war der Nachmittag längst angebrochen. Es reichte aber gerade noch, um an der Eco-Quadbike-Tour von drei bis sechs teilzunehmen, zu der wir uns morgens angemeldet hatten, als wir noch glaubten, das Reifenproblem sei schnell gelöst. Die Fahrt ging wegen "Eco" nicht durch Dünen sondern durch hügeliges, zur Lodge gehöhrendes Gelände. Da wir beide aber zuvor noch nie auf so einem Ding gesessen haben, hat es uns auch so einen Riesenspaß gemacht. Natürlich war auch hier ein afrikanischer Sundowner mit von der Partie und wir konnten wenigstens noch etwas die Seele baumeln lassen.

Das Abendessen war wieder genauso gut, unsere Portionen aber etwas geringer als am Vorabend. Der Reifen traf anstatt um sieben erst um Viertel vor neun ein. Während der Fahrer noch in der Nacht wieder zurückfuhr, um pünktlich zu Arbeitsbeginn in Windhoek zu sein, erklärte sich der Lodgemechaniker sofort bereit, seinen Fernsehabend zu unterbrechen und den Reifen aufzuziehen. Hätte es einen solchen Service in Westeuropa gegeben? Ich glaube nicht! Da wir am nächsten Tag vor Frühstücksbeginn nun ohne Sorgen zum Sossusvlei aufbrechen konnten, bestellten wir als Letztes ein Frühstück zum Mitnehmen. Die Antwort "wir machen Ihnen einen Korb" klang harmlos, so dass wir uns beruhigt schlafen legten.

nach oben

12.07.07: Sesrim / Sossusvlei

Das Tor zum Nationalpark wird erst mit Sonnenaufgang (an dem Tag um 06:45 Uhr) geöffnet. Benutzer des Campingplatzes direkt hinter dem Tor dürfen aber eine Stunde vorher aufbrechen. Die Zeit um oder kurz nach Sonnenaufgang ist deswegen so begehrt, weil dann das Licht am besten und es noch nicht so heiß ist. Aus dem Grund wollten wir ursprünglich für die Nacht vor unserem Sossusvleibesuch einen Campingplatz für nser Auto buchen und dann früh von der Lodge durch den Zaun schlupfen. Der Reifenhickhack hat uns aber daran gehindert, dies zu verwirklichen.

Also hatte ich mit Frauke abgesprochen, dass ich um halb sechs als Erster aufstehe, um möglichst vorne in der sich vor dem Tor bildenden Autoschlange zu sein. Im dahinter liegenden Nationalparkbüro bildet sich nämlich die nächste Schlange zum Entrichten der Eintrittsgebühr und sonstiger Formalitäten, was dann Zeit kostet. Frauke sollte sich dann in Ruhe fertig machen, das Frühstück abholen und die 500 m zum Tor zu Fuß nachkommen. Ich war auch tatsächlich um sechs als Erster am Tor. Schnell wurde hinter mir die Schlange länger, doch wer nicht kam war Frauke. Es kamen auch Autos aus der Lodge, aber ohne Frauke. Ich war schon unruhig geworden, als ich sie plötzlich übers Feld kommen sah, in jeder Hand eine Thermoskanne. Neben ihr wankte ein junger Lodgeangestellter, der mit steifgefrorenen Händen (wegen der morgendlichen Kälte) an ausgestreckten Armen einen 80x60x40 cm großen englischen Landpicknickkorb trug - unser Frühstück!!! Mir fiel die Kinnlade runter und nacheinander den Leuten in den nächsten Autos. Einer fragte ganz entsetzt: "Only for two?"

Kurz nachdem wir den Korb im Auto verstaut hatten, wurde auch schon das Tor geöffnet. Im Büro hatten wir alles schnell erledigt, so dass wir zügig zur Düne 45 fahren konnten, die wir besteigen wollten. Sie heißt deswegen so, weil sie 45 km vom Eingangstor entfernt ist. Bei unserer Ankunft, verließen gerade die letzten Camper die Düne. Da viele, die am Tor hinter uns waren, entweder direkt zum Sossusvlei weiterfuhren oder im Büro aufgehalten wurden, konnten wir die Besteigung in aller Stille angehen. Zu hören war nur unser eigenes Keuchen, denn vor allem ich lebe normalerweise nach dem Motto "Sport ist Mord".

Blick von Düne 45

Die Aussicht von oben auf die Dünenlandschaft der Namib ist schon erhebend und war die Strapaze wert. Den Aufstieg haben wir natürlich über den Dünenkamm gemacht. Abwärts nahmen wir die Direktissima, was aber auch nicht so einfach war, da man leicht im tiefen Sand versank.

Frühstückskorb

Zurück am Auto öffneten wir dann den Frühstückskorb und uns gingen wieder die Augen über: echte Teller, Tassen, Gläser und Besteck, Kaffee, Teebeutel, heißes Wasser, Milch und Pfirsichsaft, Wurstteller, Käseteller, Obstteller, 2 Schüsseln mit Joghurt, Ceralien und echte Tuchservietten. Wir ließen es uns in aller Gemütlichkeit schmecken. Alles zu verzehren, war aber unmöglich.

Die ab dem Eingangstor geteerte Straße endete 5 km vorm Sossusvlei am sogenannten 2x4-Parkplatz. Von hier ab benötigt man ein Allradfahrzeug. Nun heißt es entweder zu Fuß weiter oder gegen eine geringe Gebühr mit einem der Shuttleservices der Einheimischen. Wir nahmen ein Shuttle und sahen einige ouristen, die trotz 4x4-Antrieb hoffnungslos stecken geblieben waren. Um Viertel vor elf setzte uns der Fahrer am Deadvlei-Parkplatz ab. Von dort mussten wir noch 1,5 km bis zum Deadvlei wandern.

Deadvlei

Vleis sind große Lehmsenken, die nur selten mit Wasser gefüllt sind. Die karge Pflanzenwelt holt sich die benötigte Feuchtigkeit vom Grundwasser herauf. Unregelmäßig führt der Tsauchab-Fluss Wasser bis in die Vleis hinein. Im Deadvlei stehen total vertrocknete Kameldornbäume, deren Alter auf 500 Jahre geschätzt wird. Um die Vleis herum befinden sich die angeblich höchsten Dünen der Welt. Die höchste direkt am Deadvlei wird "Big Daddy" genannt. Eine Kette von Unentwegten wagte auch in der größten Mittagshitze den Aufstieg. Wir verzichteten dankend und wanderten die 1,5 km zurück und dann noch 500 m weiter zum Sossusvlei. Neben einem einsamen Straußenpaar, das Sonnenschutz unter einem noch "lebenden" Kameldornbaum suchte, war noch die Masse der Spezies Homo sapiens, die meinte unbedingt ohne Schatten "Big Mamma" besteigen zu müssen, zu bewundern. Oder war sie zu bedauern?

Gegen eins wurden wir wieder vom Shuttle am Sossusvlei abgeholt und zurück zum 2x4-Parkplatz gebracht. Von dort ging es dann über die Teerstraße wieder zurück zum Tor. Dort verließen wir aber nicht den Park, sondern bogen ab zum Sesrim Canyon. Dort stärkten wir uns nochmal aus dem Frühstückskorb, bevor ich mich an den Abstieg machte. Der 30 m tiefe und nur wenige Meter breite Sesrim Canyon ist das Ergebnis eines langen Erosionsprozesses, bei dem sich das Tsauchab Rivier in die Ebene gegraben hat. In Sesrim wurde noch getankt und die Permits besorgt, um morgen auf der Fahrt nach Swakopmund auf den Welwitschia Drive und eventuell in andere nördliche Teile des Namib-Naukluft-Parks hineinfahren zu dürfen. Dann war nach 135 km relaxen in der Lodge angesagt, bevor der Tag wieder mit herrlichem Grillfleisch am beleuchteten Wasserloch zu Ende ging.

nach oben

13.07.07: Sesrim - Swakopmund

Um Viertel nach acht machten wir uns diesmal früh auf Pad. Da in Solitaire die Tankuhr immer noch voll zeigte und dank des ausgiebigen Frühstücks wir noch keinen Hunger auf Kuchen hatten, hielten wir trotz seines ausgezeichneten Rufs nicht an. Kurz vorm Gaub Canyon konnten wir nochmal sehen, was passieren kann, wenn man zu schnell auf einer Schotterpiste unterwegs ist. Hinter einer Kurve war ein Auto von der Piste abgekommen, 2 m die Böschung hinabgestürzt und auf dem Dach liegen geblieben. Obwohl der Unfall offensichtlich schon vor ein paar Tagen passiert war, war er doch wieder ein warnender Fingerzeig.

Hinterm Kuiseb Pass machten wir - da ja im Besitz eines Permits - einen kurzen Abstecher zum Kuiseb Canyon. Den Blick - zumindest von dem Aussichtspunkt wo wir waren - fanden wir aber nicht wirklich prickelnd.

Um zum Kuiseb Canyon an der C14 zum Welwitschia Drive an der C28 zu kommen, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder über die öffentlichen Pads D1998, D1982 und D1985 oder über die kürzere Strecke durch den Park. Trotz des vorhandenen Permits wählten wir die D-Straßen. Sie waren für 100 km/h freigegeben und in sehr gutem Zustand - besser als manche C-Straßen - angenehm zu fahren. Später sahen wir, dass auf den Pads durch den Park nur max. 60 km/h erlaubt war. Und wenn der Zustand wie am Welwitschia Drive war, hatten wir wohl die richtige Wahl getroffen. Außerdem sahen wir Springböcke, Oryxe, Strauße und Erdhörnchen. Ein Strauß meinte sogar wie beim 6-Tage-Rennen als Steher vor unserem Auto fungieren zu müssen.

Welwitschia

Sie ist nicht die schönste, dafür aber wohl die langlebigste und (neben den Köcherbäumen) bekannteste Pflanze Namibias, die Welwitschia mirabilis. Ihren Wasserbedarf deckt sie allein aus niedergehendem Nebel. Ein 1.500 Jahre altes Prachtexemplar ist am Ende des Drives zu bewundern. Üppiger ist die Vegetation im Swakop Rivier-Tal. Kameldornbäume und andere ziehen das Wasser aus dem Fluss, der unterirdisch verläuft. Geologisch interessant ist der Dolorit-Kamm. Flüssige Lava drang in einen Riss des älteren grauen Granitfelsens. Der schwarze Dolorit ist ein harter Fels, der langsamer als das übrige Gestein verwittert, so dass er sich wie ein schwarzes Band über die Hügelkuppen zieht. Desweiteren bilden die Täler des Swakops eine spektakuläre Mondlandschaft, die entstanden ist, als sich der Fluss durch die weicheren Oberflächenschichten hindurch fraß, die sich vor etwa 450 Millionen Jahren abgelagert haben, als noch ein feuchteres Klima herrschte. Etwas vermiest wurde einem das Ganze allerdings durch den sauschlechten Zustand des Drives. Nach 455 km erreichten wir dann Swakopmund gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang an der Jetty.

Weitere Fotos und Videoclips aus der Namibwüste stehen in der Bildergalerie.

Danach gespannt, was wir an Namibias Küste erlebten? Dann hier klicken!

Links und Tipps:

Sossusvlei Lodge, Sesrim, www.sossusvleilodge.com,
Tel: +264 (63) 693 223, Fax: +264 (63) 693 231,
gebucht über Meier´s Weltreisen: EUR 101,- pro Person/Nacht
incl. Frühstück + Abendessen mit Sonderangebot 3 Nächte wohnen,
2 Nächte bezahlen, vor-Ort-Ausgaben: Kreditkarte


Fotos: eigene Werke.

Copyright © 2003 - 2017 Fried Sauert - Rechtliche Hinweise

nach oben